Zitat: "Theologe las in Staudt Verse des Humoristen
STAUDT. "Populär wie keiner - unbekannt wie selten einer". So sieht Hermann Alves den wohl populärsten deutschen Humoristen Wilhelm Busch. In der Alten Kirche von Staudt stellte der evangelische Theologe aus Bad Ems, der seit seiner Konfirmation durch den Busch-Neffen Pastor Nöldeke mit dem Dichter bestens vertraut ist, auf Einladung der katholischen Frauengemeinschaft einer zwar kleinen, aber doch sehr aufmerksamen Wilhelm-Busch-Fangemeinde Gedichte und Geschichten in "Dur und Moll" vor.
Für Hermann Alves hat Wilhelm Busch zu allen wirklich wichtigen Lebenslagen stets das treffende und hilfreiche Wort bereit. Das "Moll-Geschlecht" steht bei dem gefühlsbetont inspirierten Rezitator für das Nachdenkliche und Besinnliche. In "Dur" lässt er die spitzzüngige und heiter hintergründige Seite des großen Dichters aufblitzen. Fein dosiert - manchmal aber auch gedankenverloren ausschweifend - mit Erklärungen über Sinn und Hintergrund der busch"schen Intentionen gewürzt, erzählte Alves von Hass und Liebe, von Schadenfreude und Eitelkeit, wie sie Wilhelm Busch in Verse kleidete. Die Vorträge des Interpreten waren geprägt von beinahe ehrfurchtsvollen Emotionen und Referenzen an einen Dichter, der wie kaum ein zweiter die Lebensphilosophie gereimt und in Prosa auf den Punkt gebracht hat.
Alves konnte in Staudt kaum seinen Redefluss zwischen Busch-Rezitationen und nicht selten seelsorgerischen Auslegungen zügeln (es gibt keine Predigt des Pfarrers, die nicht ein Busch-Gedicht beinhaltet). Hermann Alves "lebt" Wilhelm Busch. Denn er weiß: "Wer das Leben mit Humor betrachtet, kann nur gewinnen". Gerade das wollte der leidenschaftliche Busch-Fan und Theologe rüberbringen. "Alle Menschen sind eitel", sagte er. Diese Eitelkeit wurde bei seinen theatralisch vorgetragenen Gedichten sichtlich offenbar. Gut, dass der Interpret seinen fast zweistündigen Vortrag recht warmherzig rüberbrachte, denn das drängte die Kälte in der Alten Staudter Kirche ein wenig in den Hintergrund. Hans-Peter Metternich", Zitat Ende. Quelle: Westerwälder Zeitung vom 26.03.2007, Seite 14.
26 März 2007
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